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Papa, Du bist nicht allein: Vier Monate in Elternzeit

Inka-Englisch-Photography-Anfuehrungszei

Als ich meinem Chef davon erzählt habe, dass ich für vier Monate in Elternzeit gehen will, hat er mich nur verwundert angeschaut. Sowas habe er noch nie erlebt, sagte er, dass ein Mann mit einem einjährigen Kind zuhause bleiben will. Aber dann zuckte er mit den Schultern und sagte: «Alles klar, machen wir! Dann nehme ich mal Kontakt mit der Personalabteilung auf!»

Ich war erleichtert über seine Reaktion und hatte ein gutes Bauchgefühl, und auch danach lief alles wie am Schnürchen. Obwohl ich schon in wenigen Monaten eine höhere Position in einer anderen Dienststelle antreten sollte, legte mir niemand Steine in den Weg. Es wurde mir sogar ermöglicht, jeweils zwei Monate vor und nach meiner Elternzeit in Teilzeit zu arbeiten. Auch meine Kollegen reagierten positiv und freuten sich, dass ich mit meiner einjährigen Tochter frühstücken, spielen, schmusen, lachen und rumalbern konnte, dass ich sie morgens aufwecken und abends ins Bett bringen konnte.

Die Entscheidung für meine Elternzeit fiel an jenem Tag, als meine Frau ein Jobangebot bekam, das sie nicht abschlagen konnte. Ich wollte sie beruflich unterstützen und ihr die Möglichkeit geben, ihren Träumen nachzugehen. Leider ist es bei einigen Paaren immer noch so, dass der Mann in beruflicher Hinsicht alles machen kann und die Frau hinten runterfällt. Das ist nicht unsere Art, eine Beziehung zu führen, eher im Gegenteil: Ich habe eine Frau geheiratet, die hart auf diesen Moment hingearbeitet hat. Daher war uns beiden von Anfang an klar, dass ich eine Weile zuhause bleiben würde, sobald ihre Karriere es erfordert.

Und ehrlich gesagt fand diese Vorstellung von Anfang ziemlich angenehm. Natürlich liebe ich meinen Job, aber ich bin auch ein familiärer Mensch und genieße das Zuhausesein. Einfach nur als Papa daheimbleiben und auf unser Kind aufpassen. Nach der jahrelangen Schufterei würde ich über viele Monate hinweg tun und lassen können, was ich will… so hatte ich mir das zumindest ausgemalt…

 

Plötzlich allein zuhause – und nun?

Der Übergang in meinen neuen Lebensabschnitt als Vollzeit-Papa war aufregend. Anfangs pflasterte meine Frau das ganze Haus mit kleinen Klebezetteln zu und sagte mit einem nervösen Lächeln: «Ich vertraue dir, Schatz, ihr beiden macht das schon. Ich will einfach nur, dass alles gut geplant ist. Die Abläufe müssen stimmen, wenn ich nicht da bin. Das muss mit einem Kind alles durchgetaktet sein.»

An dieser Stelle muss ich zugeben, dass ich etwas naiv war. Ich fand es wirklich herzerwärmend, wie sehr sich meine Frau um uns sorgte, aber insgeheim dachte ich, dass alles schon irgendwie laufen wird. Ich und die kleine Maus – was sollte da schon schiefgehen? Meine Naivität ging übrigens schon vor der Geburt los, denn grundsätzlich hatte ich mir vorgestellt, dass meine Frau und ich mit einem Baby relativ normal weiterleben könnten. Ich dachte damals, dass sich das Kind an unser Leben anzupassen hat, und dass wir spontan agieren könnten.

Ha-ha-ha!

Schon kurz nach der Geburt musste ich am eigenen Leib erfahren, dass es genau andersherum war: Unsere Tochter interessierte sich in keinster Weise für unser Leben, nein, der kleine Schreihals hat den Tagesablauf im Sekundentakt vorgegeben. Und so mussten wir uns monatelang anstrengen, wachhalten, kämpfen, ringen und gemeinsam an unsere Grenzen gehen, um das Baby zu versorgen. Obwohl ich meine Tochter über alles liebe, dachte ich damals nur: «Oh je, hoffentlich bleibt das nicht immer so anstrengend!» Es kam mir im ersten Lebensjahr zugute, dass meine Frau vieles übernommen hatte und durch das ständige Stillen eine engere Bindung zu ihr hatte.

Und nun, im zweiten Lebensjahr, würde ich in diese Rolle schlüpfen. Ein Leben als Vollzeit-Papa – das konnte doch jetzt nicht mehr so schwer sein, oder? Spielsachen auspacken, Duplo spielen, in die Natur fahren oder einfach nur auf der Couch schmusen… ich malte mir aus, wie ich mit meiner Tochter unzählige schöne Dinge unternehmen würde. Ich hatte vor meiner Elternzeit eine Jahreskarte für den Wildpark gekauft und geplant, dass wir einmal in der Woche gemeinsam dort die Tiere anschauen. «Irgendwie müssen wir die ganze Zeit ja füllen», sagte ich zu meiner Frau. Das war zumindest der Plan – doch als ich dann tatsächlich mit unserer einjährigen Tochter allein war, wurde ich eines Besseren belehrt.

Meine Frau sollte Recht behalten, denn in dieser Zeit hat nichts «spontan» funktioniert: Alles musste akribisch auf die Essens- und Schlafenszeiten der Kleinen abgestimmt sein. Nein, ich konnte nicht einfach in den Tag hineinleben und nach Lust und Laune mit ihr rumalbern. Auch meine geplanten Ausflüge in den Wildpark kollidierten mit dem Rhythmus meiner Tochter. Wenn ich gewusst hätte, dass ich für die Zeitspanne zwischen «Wir machen uns fertig» und «Wir fahren jetzt wirklich los» die doppelte oder dreifache Zeit einplanen muss, wäre einiges leichter gewesen. Niemals hätte ich vorher geahnt, wie viele Minuten für Nebentätigkeiten wie Snacken, Fertigmachen, Packen, Anziehen und Anschnallen draufgehen.

Fazit: Wir waren in vier Monaten nur zwei Mal im Wildpark. Als ich mit meiner Tochter zum ersten Mal dort war, musste ich die Mittagszeit enorm strecken und sie lange durch die Gegend schieben, damit ihre Schlafenszeiten nicht durcheinandergeraten. Das zweite Mal waren wir nachmittags da, und da musste alles ganz schnell gehen, weil ein einjähriges Mädchen schnell an seine Grenzen kommt. Plötzlich schläft die Kleine nicht mehr ein, dann jammert sie herum, weil sie Durst hat, und im nächsten Moment akzeptiert sie den Buggy nicht mehr. Wenn die schlechte Laune erst einmal da war, gab es nur die schnelle Flucht nach Hause.

 

Kinderlieder singen und in die Hände klatschen

Es gab einige Herausforderungen, die ich als Vollzeit-Papa allein stemmen musste, und ich bin dabei auch an meine Grenzen gestoßen. Wer glaubt, dass sich die Betreuung eines Kleinkindes wie ein angenehmes Hobby anfühlt, der irrt gewaltig. Durch meinen Beruf als Polizist bin ich körperlich und geistig ziemlich belastbar, aber es gab einige Tage, an denen mir die Kleine die letzte Kraft geraubt hat. Glücklicherweise endete diese Tagesaufgabe – die ich über vier Monate hinweg hatte – mit dem Feierabend meiner Frau. Ich war oftmals erleichtert, als meine Frau nach Hause kam und ich etwas Zeit für mich hatte. Ohne diese Unterstützung wäre ich vermutlich irgendwann zusammengeklappt. Wenn ich mir vorstelle, dass ich ganz allein rund um die Uhr die Verantwortung für ein kleines Kind hätte – das wäre ein harter Brocken. Hut ab vor alleinerziehenden Eltern!

Obwohl die ersten Wochen als Vollzeit-Papa hart waren, habe ich im Gegenzug auch viel zurückbekommen. Es war ein schönes Gefühl, wenn meine Tochter plötzlich zu mir gelaufen ist und mich liebevoll in den Arm genommen hat. Auch wenn meine Frau abends zuhause war, hat die Kleine lauthals «Papa» gerufen und sich vertrauensvoll an mich gewendet. Das war vor der Elternzeit nicht der Fall, denn früher war ich in der Elterndynamik eher ein «Beiwerk» zur Mama. Durchaus ein geliebtes Beiwerk, aber nicht so wichtig und unentbehrlich wie die Mama.

Als ich den ganzen Tag mit meiner Tochter zuhause war, hat sie mich voll und ganz akzeptiert. Die Worte «Mama ist arbeiten» hat sie trotz ihres jungen Alters schon früh begriffen – und schon nach wenigen Tagen mit dem Fragen aufgehört. Wenn sie sich gestoßen hat oder hingefallen ist, hat sie weinend «Papaaaaa! » geschrien. Sie wusste, dass Papa immer da war. Wir beide wurden schnell zu einem eingespielten Team. Sie hat ihr Herz geöffnet und mich mit offenen Armen aufgenommen.

Natürlich kam ich mir häufig etwas deplatziert vor, wenn ich im Spielkreis mit anderen Frauen saß und rhythmische Kinderlieder nachsingen musste. Es war mir nicht peinlich, nein, aber ich habe mich manchmal unwohl in meiner Haut gefühlt. Die Frauen in der Runde sprachen über Themen, zu denen ich als Mann einfach nichts sagen konnte, etwa, wenn es um die Rückbildung des Körpers oder um Schmerzen beim Stillen ging. Dennoch gab es auch in diesen merkwürdigen Situationen immer wieder schöne Momente: Wenn wir der Reihe nach Liedstrophen gesungen haben, deren Texte ich nicht kannte, hat mich meine Tochter mit leuchtenden Augen angestrahlt. Sie hat freudig auf die Trommeln gehauen oder mich fasziniert beobachtet. Die Kleine hatte so viel Spaß dabei, ihren verlegenen Vater in diesen Situationen zu beobachten – da war mir alles andere egal.

Außerdem sagten mir einige Mütter, wie bewundernswert sie es fanden, dass ich als Vater zuhause blieb. Sie würden es auch gerne mit ihren Männern so machen, sagten sie, aber das würde finanziell nicht funktionieren. Noch heute bin ich meiner Frau unendlich dankbar dafür, dass sie sich für unsere Familie eingesetzt hat. Sie hat als Frau, Partnerin, Familienversorgerin und Mutter eines einjährigen Mädchens unendlich viel geleistet. Schade finde ich nur, dass die enorme Anstrengung einer berufstätigen Mutter in unserer Gesellschaft nur von wenigen Menschen wirklich gesehen wird.  

 

Familie und Beruf: Warum funktioniert das nicht?

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es für Eltern unglaublich schwierig ist, eine gute Balance zwischen Familie und Karriere zu finden. Das gilt übrigens nicht nur für Mütter, sondern auch für Väter – und auch das habe ich am eigenen Leib erfahren. Als ich nach meiner Elternzeit in meiner neuen Dienststelle anfing, hatte ich am ersten Arbeitstag ein schwieriges Gespräch mit meinem Chef. «Du bist nur in Teilzeit hier», sagte er in einem desinteressierten Ton, «naja… dann gucken wir mal. Wir brauchen eigentlich Vollzeitkräfte, vor allem in deiner Position.»

Die unausgesprochenen Worte zwischen den Zeilen waren für mich eindeutig: «Mit einer Teilzeitkraft können wir hier nichts anfangen. Was hat sich die Personalabteilung dabei gedacht? Du bist hier unerwünscht.» Daraufhin erklärte ich meinem Chef, dass ich nur zwei Monate in Teilzeit arbeiten würde – und schon hatte er bessere Laune. Ich merkte sofort, dass wir beide ansonsten ein großes Problem miteinander gehabt hätten. Natürlich verstehe ich im größeren Kontext, dass er seine Mitarbeiter effizient einteilen und managen muss, aber dennoch fand ich dieses erste Gespräch mit ihm unangemessen. Wo blieb das Interesse an meiner Person? Er fragte mich nicht einmal nach meinen persönlichen Beweggründen für die Teilzeit. Meine familiäre Situation hat ihn schlichtweg nicht interessiert.

Glücklicherweise habe ich in den darauffolgenden Tagen eine bessere Erfahrung mit meinem direkten Vorgesetzten gemacht. Er fragte mich gleich zu Beginn, warum ich in der neuen Dienststelle in Teilzeit anfing. Ich erzählte ihm, dass meine Frau momentan in Vollzeit arbeitet und sprach über die anstehende Krippeneingewöhnung meiner Tochter. Zu meiner Erleichterung zeigte er sofort volles Verständnis. Er war vollkommen in Ordnung für ihn. Er habe selbst drei Kinder, sagte er, und dann zeigte er mir Fotos von seiner Familie. Für ihn war ich nicht nur ein Arbeitnehmer, der im Dienst zu funktionieren hat, sondern auch ein Familienvater.

 

Ein langfristiges Modell für beide Partner

Mittlerweile bin ich wieder in Vollzeit tätig, aber ich habe das große Glück, im Schichtdienst zu arbeiten. Ich kann an den meisten Tagen mit meiner Kleinen frühstücken oder sie ins Bett bringen. Mit Ausnahme von einigen Spätschicht-Wochenenden haben wir beide noch immer unsere schönen Vater-Tochter-Momente. Etwas anderes könnte ich mir auch gar nicht vorstellen – ich will die Zeit mit meinem Kind nicht missen. Bei Freunden oder Bekannten sehe ich häufig, dass ein Elternteil von morgens bis abends durcharbeitet und die gemeinsame Zeit auf eine halbe Stunde am Abend komprimiert wird. Es ist schade, weil man so vieles verpasst und die Kinder so schnell großwerden.

Wenn ein Elternteil durchgängig arbeitet und nie zuhause ist, dann wirkt sich das irgendwann aufs Familienleben aus. Es gab auch bei uns eine Phase, in der meine Frau um sechs Uhr morgens das Haus verließ und extrem spät nach Hause kam – und das hat Spuren hinterlassen. Sie hatte damals nichts von ihrer Tochter und haderte mit dem Spagat zwischen Kind und Karriere. Dadurch entstand das große Verlangen, in der freien Zeit am Wochenende schnell alles nachzuholen. Das war wiederum für unsere Partnerschaft anstrengend und führte zu Spannungen. Wir wussten intuitiv, dass wir langfristig eine Lösung finden mussten, die nicht zu stark in die Extreme geht.

Meine Frau und ich kennen nun beide Perspektiven und wir haben eines erkannt: Je mehr Verantwortung man in einer Position trägt, desto schwieriger wird es, seiner Familie gerecht zu werden. Das gilt für arbeitende Mütter ebenso wie für arbeitende Väter. Es stört das Familienleben, wenn beim Abendessen um 19.30 Uhr das Smartphone klingelt und das Kind beobachten muss, wie ein Elternteil hektisch in den Nebenraum rennt. Es ist wichtig, dass beide Eltern noch Zeit für ihre Kinder haben und die finanziellen Bedingungen trotzdem stimmen. Dafür arbeitet man doch: für das Wohl der eigenen Familie. Die Vereinbarkeit von Job und Familie bedeutet für mich, dass man sein Kind nicht «wegorganisieren» muss, um seine Familie zu versorgen. Mein Traum wäre es, dass sich die Arbeitgeber zukünftig mehr für die familiäre Situation ihrer Mitarbeiter interessieren. Dazu gehört auch die Akzeptanz, dass Männer und Frauen in bestimmten Lebensabschnitten in Teilzeit arbeiten wollen, um ihre Kinder zu betreuen.

Ich bin froh darüber, dass meine Frau und ich unser flexibles Modell mit Elternzeit, Teilzeit und Schichtdienst durchgeboxt haben. Ich möchte auch als berufstätiger Papa viel Zeit mit meiner Tochter verbringen und ihr ebendiese Werte mitgeben: Sie soll ihren Träumen nachgehen und die Möglichkeit haben, alles zu erreichen. Sie soll ihre Entscheidungen frei treffen können und dabei einen großen Handlungsspiel haben. Ich möchte sie zu einer starken und unabhängigen Frau erziehen, die sich nicht unterkriegen lässt. Meine Frau und ich müssen bei ihr sein, um ihr diese Werte mitzugeben. Kinder brauchen ihre Eltern.

Als Papa möchte ich für meine Tochter ein sicherer Hafen sein, wenn sie nicht mehr weiterweiß – und die Investition in unsere Vater-Tochter-Beziehung beginnt genau jetzt, in frühen Kindertagen. Aus diesem Grund würde ich jedem Vater raten, sich eine Auszeit zu nehmen und so viel Zeit wie möglich mit den Kleinen zu verbringen. Laut Gesetz hat jeder Vater das Recht, in Elternzeit zu gehen, aber oftmals fällt der Satz: «Wir würden das gerne machen, aber das passt beruflich gerade nicht… mal sehen, vielleicht nächstes Jahr.» In einigen Branchen wird es leider noch immer als «unmännlich» empfunden, wenn der Mann mit den Kindern zuhause bleibt. Warum eigentlich? Es gibt keine männlichere Eigenschaft, als seine Familie zu versorgen.

Mein Rat für alle Väter lautet: Der richtige Moment für die Elternzeit ist genau jetzt. Einfach machen! Ich habe meine Tochter besser kennengelernt und ein neues Verständnis für ihre Verhaltensweisen, Bedürfnisse und Emotionen entwickelt. Außerdem ist es ein schönes Gefühl, wenn ich als Vater für einen bestimmten Zeitrahmen zur Bezugsperson Nummer Eins aufsteige – selbst dann, wenn dieser Rang mit Mamas Rückkehr am Abend wieder vorbei ist. Es entstehen unvergessliche Momente, wenn meine Tochter lauthals «Papaaaa!» ruft und in meinen Schoß krabbelt. Dieses kleine Wesen wendet sich vertrauensvoll an mich und schläft in meinen Armen ein. In solchen Momenten wird mir warm ums Herz, weil ich weiß, dass ich ein guter Vater bin.

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